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Technik der Great Highland Bagpipe

 

 

 

Der schottische Dudelsack verfügt über 9 Töne, vom Tiefen `G`bis zum hohen `A`. Das Deutsche `H`gibt es in der schottischen Notation nicht, hier heisst es `B´. Der Grundton der Bagpipe ist das Low `A`, welches auf ca.470 Hertz gestimmt ist. Der allgemein übliche Kammerton `A`liegt aber auf 440 Hertz, was bedeutet, das der Dudelsack einen Halbtonschritt höher liegt. Daher ist es sehr schwer den Dudelsack an andere Musikinstrumente anzugleichen. Andere Musikgrupppen oder Kapellen müssten also in der Lage sein auf `B-Dur`zu transponieren.

Die Great Highland Bagpipe verfügt über drei Drones, 2 Tonor und eine Bassdrone, die ebenfalls nach dem Chanter (Spielflöte) auf `A`gestimmt werden. Die Drones liegen allerdings in den Oktaven tiefer, die beiden Tenordrones eine Oktave unter dem Chanter, die Bassdrone liegt 2 Oktaven tiefer als der Chanter. In seiner ganzen Bandbreite verfügt der Dudelsack also über drei Oktaven.

Der Dudelsack wird nun über die linke, bei Linkshändern analog über die rechte Schulter gelegt. Der Bag (Luftsack) wird über die Blowpipe gefüllt, der gleichmässige Ellenbogendruck auf den Bag sorgt dafür das die Luft über den Chanter (Spielflöte) und die Drones entweicht - ein Ton wird erzeugt. In regelmässigen Abständen muss natürlich über die Blowpipe Luft nachgegeben werden. Dies alles geschieht fast gleichzeitig, Luft einblasen, mit dem Ellenbogen ausdrücken und auch noch die Melodie auf dem Chanter spielen. Hört sich eigentlich leicht an - oder ? Ist es aber nicht, hierzu gehört sehr viel schweisstreibende Übung. Der Druck im Bag muss nämlich immer konstant gehalten werden, Druckschwankungen im Bag würde man sofort hören. Bei zu wenig Luft bzw. Druck im Bag bleibt der Chanter einfach stumm und die Drones geben nur ein klägliches Quieken von sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wird jetzt eigentlich der Ton in den Drones und dem Chanter erzeugt ??

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Unterseite der Drones ( Bass u. Tenor ) in den Dronestocks stecken die Dronereeds ( Tonerzeuger ). Das sind kleine Röhrchen mit einer offenen und einer geschlossenen Seite. Auf der Oberseite der Reeds befindet sich eine eingeschlitzte Zunge. Die Luft aus dem Bag strömt  unter die Zunge und bringt sie zum Schwingen. Der dadurch erzeugte Ton entweicht durch die offene Vorderseite des Reeds in die Drone. ( Siehe Grafik unten )

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Tuning ( siehe Grafik unten ) des Tones geschieht, in dem man die einzelnen Segmente der Drones höher oder tiefer schiebt. ( Tuning Slide ) Bei modernen Reeds ist ein Feintuning des Tones bereits am Reed selbst möglich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch Verschieben der Oberteile ( Auf  bzw. Ab ) auf dem Tuning Slide werden die einzelnen Drones gestimmt.(Tunen) Drone zusammenschieben - Ton wird höher. Drone auseinander ziehen - Ton wird tiefer. Generell gilt also: je länger die Luftsäule in der Drone wird, um so tiefer wird der Ton. Diese Grundregel gilt für das gesamte Stimmen ( Tuning ) einer Pipe.

 

 

 

Heute unterscheidet man im wesentlichen zwischen 2 Arten von Dronereeds, die traditionellen Cane-Reeds (aus Schilfrohr ) und Reeds aus Kunststoff, Metall oder Aluminium. Den traditionellen  Cane - Reeds  sagt  man nach, das sie einen  feineren  und weicheren  Klang hätten. Dafür verlangen die Cane -Reeds aber auch nach mehr Pflege und können  den Piper schon  mal einige schweisstreibende Bastelstunden am Reed bescheren. Bei den modernen Kunststoffreeds läßt sich die exakte Tonhöhe gleich mehrfach einstellen, sie lassen sich nahezu auf jede Drone abstimmen und erleichtern dem Piper die Arbeit enorm. Auch sog. Mischreeds sind sehr beliebt, wie z.B.  die Ross-Dronereeds  ( Grafik unten ). Sie  haben  zwar einen Kunststoffkörper,  aber  eine Zunge aus  Cane ( Schifrohr )

 

 

 

Verschiedene Reed

 

 

 

v.l.n.r: SM 90 Drone Reed aus Kunststoff / Ezee Drone Reed aus Kunststoff / Ross Drone Reed, Kunststoffkörper, Zunge aus Cane / Trad. Drone Reed komplett aus Cane / Trad. Chanter Reed aus Cane.

 

 

 

Das Chanter-Reed hat das gleiche Funktionsprinzip wie die Dronereeds. Die Bauweise ist allerdings völlig anders. Beim dem Chanterreed, traditionell auch aus Cane hergestellt, handelt es sich um ein Doppelrohrblatt. Zwei symetrische Lippen liegen übereinander, der Luftstrom aus dem Bag bringt die Lippen in Schwingungen. Der dadurch erzeugte Ton entweicht durch die offene (untere) Seite des Reeds in den Pipechanter. Auch bei den Chanterreeds gibt es bereits Alternativen. Die Clanrye-Chanter Reeds aus Kunststoff. Für sie gilt im wesentlichen,  was auch für die Kunststoff - Drone Reeds  gilt. Sie lassen sich ohne größere Probleme in jedem  Pipechanter einpassen, auch die exakte Tonhöhe  (Pitch) ist  einstellbar. Ihre Haltbarkeit ist bei guter Pflege beinahe unbegrenzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der einzige Nachteil der Clanrye- Reeds ist ihr Preis ! Ein “normales” Chanterreed aus Cane ist schon für wenige Euro zu haben (bis ca. 10.-), bei den Clanrye-Reeds müssen sie schon ca. 45 Euro anlegen. Aber die extrem lange Haltbarkeit rechtfertigt schon diesen Preis. Noch ein wenig extremer sind die Preisunterschiede bei den Dronereeds. Auch hier ist ein Satz guter Cane Drone Reeds (2x Tenor 1x Bass ) relativ günstig ( 10-15 € ). Bei den Kunststoffreeds müssen Sie aber auch hier tiefer in die Tasche greifen. Zum Beispiel, ein Satz SM90 (Siehe Foto) schlägt mit ca. 50-60 € zu Buche. Die absolute Königsklasse der Drone Reeds, die Omega-Reeds sogar bis 100 €. Aber auch hier gilt: Sie sind jeden Cent wert.

Welches ist Reed ist denn jetzt nun empfehlenswert ?! Ehrlich gesagt: Reine Geschmacksache !! Traditionalisten und die absoluten Profis werden sich vielleicht doch mehr für die Cane-Reeds entscheiden, der “Otto-Normal”-Piper greift wahrscheinlich doch eher zum Kunststoffreed. Aber wie schon gesagt, das muss jeder Piper schon selbst herausfinden.

 

 

 

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